Christof Thöny

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Der Namensgeber des Verlags stammt aus einer – wie das Zitat Meinrad Pichlers (dem es auch zu verdanken ist, dass er die Person Lorenzis 150 Jahre nach dem Revolutionsjahr 1848 in Vorarlberg bekannt gemacht hat) zum Ausdruck bringt – engagierten Familie, die in Bludenz unter anderem 1846 das erste Kaffeehaus eröffnete. Hier wurde Augustin Lorenzi am 26. August 1822 als elftes und jüngstes Kind des Kornhändlers und Stadtrates Franz Karl Lorenzi und seiner Ehefrau Maria Anna Welte geboren. Nachdem seine schulische Begabung schon früh aufgefallen war, konnte er das Gymnasium in Feldkirch besuchen und taucht 1840 als Student der Philologie in Wien auf. Ein Jahr später belegte er in Mailand den „zweiten philologischen Kurs“ und lernte die italienische Sprache. Später begann er ein Medizinstudium in Padua, das er in Wien fortsetzte. Schon früh fiel der Bludenzer Student dadurch auf, dass er höchste Ansprüche an sich selbst stellte.


Kurz vor dem Abschluss seines Studiums wurde Augustin Lorenzi 1848 von den revolutionären Ideen erfasst. Die politischen Hoffnungen wurden im Herbst 1848 jedoch von der österreichischen Armee niedergeschlagen; auch der Studienabschluss wurde unmöglich gemacht. Lorenzi zog es nunmehr nach Prag, wo er Anschluss bei der Burschenschaft „Markomannia“ fand. Dort war er hochgeschätzt, obwohl er nicht Mitglied geworden war. Als Anhänger der Freiheitsidee wurde er im Herbst 1849 verhaftet und zu seinen schon zuvor verhafteten Freunden auf die Prager Burg verbracht. Ein gnadenloses Militärgericht verurteilte ihn im April 1850 zu einer lebenslangen Haftstrafe; zu Weihnachten wurde sie auf 16 Jahre beschränkt.


Im Februar 1851 wurde Lorenzi in die westungarische Festung Komorn verlegt, wo sich sein Zimmer Nr. 1 schnell zum wissenschaftlichen Zentrum entwickelte. Dennoch schlitterte er in eine psychische Krise, von der er sich nicht mehr erholten konnte. Mitgefangene berichteten später von seinem immer mehr angeschlagenen Zustand. Der gefährdete Häftling wurde Anfang 1853 in die Festung Kufstein überstellt. Hier beschäftigte er sich weiterhin mit philosophischen Fragen, bis er sich schließlich im Oktober 1853 mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitt. Da er die Luftröhre nicht durchtrennt hatte, wurde Lorenzi erst drei Tage später am 23. Oktober 1853 von seinem Leiden erlöst.


Der „gescheiterte Philosoph der Freiheit“ (Meinrad Pichler) hatte seinem Leben ein Ende gesetzt, weil 14 Jahre Kerkerhaft für ihn keine Perspektive waren. Dies erscheint umso tragischer, als die inhaftierten Prager Studenten bereits im April 1854 anlässlich der kaiserlichen Hochzeit begnadigt wurden. Mit dem Preis seines Lebens hatte Lorenzi sich der Freiheit und der Demokratie verschrieben.